Wer an der Einsiedler Fasnacht teilnimmt, ist ein Hudi. Doch auch das Wort Mäschgli ist in Einsiedeln geläufig, nur meint es etwas anderes. Zehn Kilometer weiter im Dorf Schwyz wiederum ist grundsätzlich jede maskierte Person ein Mäschgerli. Im Bezirk Höfe heisst die gleiche Person Bögg, in der March Butzi. Mehrere Bezeichnungen, mehrere Landstriche, und hinter jedem Wort eine eigene Geschichte.

Das hat Werner Röllin in der Schwyzer Maskenlandschaft präzise festgehalten: «Im alten Landesteil nennt man sie Maschgerad oder Mäschgerli, in Einsiedeln Hudi, in den Höfen Bögg und in der March Butzi.»¹ Was wie eine blosse dialektale Spielerei wirkt, offenbart bei näherer Betrachtung tief verwurzelte Unterschiede im Verhältnis der Menschen zur Maske, und zeigt sich in Einsiedeln sogar innerhalb des eigenen Wortschatzes.

Das Mäschgli: die schöne Maske

Das Wort Mäschgerli (in Einsiedeln kurz: Mäschgli) ist ein Diminutiv und kommt direkt aus dem Romanischen — vom französischen masque, dem italienischen maschera.² Im übrigen Kanton bezeichnet es schlicht eine maskierte Person, ohne weitere Festlegung auf Figur oder Charakter. In Einsiedeln selbst hat sich das Wort jedoch verengt: Ein Mäschgli ist eine schöne, hübsch Figur, meist von Frauen dargestellt. Fein, gefällig, mit Anspruch auf Ästhetik. Das Mäschgli ist eine hübsch gewandete Erscheinung, die man laut den Einsiedler Fasnachtsschriften weniger an den wilden Umzügen antrifft als an Maskenbällen und in den Wirtsstuben.³ Die Maske ist hier Schmuck und Verwandlung zugleich, aber nicht Bedrohung. Sie verändert die Erscheinung, aber nicht das Wesen.

Das Hudi: die Maske als Wesensform

Das Einsiedler Wort Hudi kommt aus einer ganz anderen Welt. Das Schweizerische Idiotikon definiert es als «hässliche Maske», eine aus Stroh und Lumpen gefertigte, mit einem Hut versehene menschliche Figur.⁴ Verächtlich war es ein Übername für weibliche Wesen, besonders für Hexen und Gespenster. In Steinen, unweit von Einsiedeln, fuhr das Aa-Hudi bei Wassergüssen auf einem Baumstamm sitzend das Tobel hinunter.⁴ In den 1920er Jahren verstarb in Einsiedeln das aus Tuggen stammende March-Hudi, eine alte, hässlich aussehende Frau, die den Übernamen einer Sagengestalt trug.⁴

Das Hudi ist also keine Verkleidung. Es ist ein Typus, grotesk, bedrohlich, randständig. Kein Zufall, dass das Sühudi, jene wilde Groteskmaske aus Papiermaché, die am Güdelmontag die Strassen Einsiedelns bevölkert, 1885 in den Zeitungen erstmals als «wüesti Hudi» auftauchte.⁵ Die hässliche Maske hatte einen Namen bekommen, und mit ihm eine Tradition.

So stehen sich in Einsiedeln, anders als im übrigen Kanton, zwei Pole gegenüber, die sich gegenseitig erst richtig erklären: das Hudi als das Grobe, Wilde, Groteske, und das Mäschgli als sein feines Gegenstück, hübsch und dekorativ.

Fussnoten

1  Werner Röllin, Schwyzer Maskenlandschaft, S. 41.
2  Schweizerisches Idiotikon, Bd. 4, Sp. 508 («Mäschgerli»).
3  Die Einsiedler Fasnachtsfiguren, in: Schriften des Kulturvereins Chärnehus Einsiedeln, Nr. 31, S. 97–110.
4  Schweizerisches Idiotikon, Bd. 4, Sp. 1001f. («Hudi»); Sp. 1082ff. («Bögg»); Sp. 2003ff. («Butz/Butzi»).
5  Werner Röllin, Schwyzer Maskenlandschaft, S. 41 (1885: «wüesti Hudi»).

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