Vom Vorgarten nach Stockach: Wenn ein weisser Narr Geschichte schreibt:
Eine faszinierende Verbindung zwischen Einsiedler Kloster, Schwyzer Schlacht und schwäbischem Narrengericht
Die Geschichte des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stockach ist wie ein faszinierender Faden, der Einsiedeln mit der grossen europäischen Narrentradition verwebt. Es beginnt mit einem dramatischen Kapitel der Schweizer Geschichte.
Der Überfall, der alles veränderte
Im Jahr 1314 überfielen die Schwyzer das Kloster Einsiedeln – ein Ereignis, das weitreichende Folgen haben sollte. Herzog Leopold I. von Habsburg, als Schutzherr des Klosters, konnte diese Provokation nicht unbeantwortet lassen. Mit einem mächtigen Heerhaufen aus dem Aargau und Thurgau zog er gegen die unbotmässigen Schwyzer.
Die Schlacht am Morgarten – Geburtsstunde einer Narrenlegende
Was dann am 15. November 1315 am Ägerisee geschah, wurde zur Legende: Die zahlenmässig unterlegenen Schwyzer besiegten das habsburgische Heer vernichtend. Doch was hat diese Schlacht mit dem fernen Stockach am Bodensee zu tun?
Vor der Schlacht hatte Herzog Leopold seinen Hofnarren Kuony von Stocken um Rat gefragt. Dessen weise Warnung, man solle lieber darüber nachdenken, wie man aus der gefährlichen Gegend heil wieder herauskomme, wurde hochmütig in den Wind geschlagen. Die Geschichte gab dem Narren recht – Leopold verlor die Schlacht.
Das Privileg des weisen Narren
Als Anerkennung für seinen klugen, wenn auch ignorierten Ratschlag, durfte Kuony einen Wunsch äussern. Seine Bitte war ungewöhnlich: In seiner Heimatstadt Stockach sollten die Einwohner einmal jährlich, zwischen Lichtmess und Laetare, Gericht halten dürfen. Herzog Albrecht II., der Bruder des gefallenen Leopold, erfüllte 1351 diesen Wunsch mit einem offiziellen Privileg.
Ein lebendiger Brauch durch die Jahrhunderte
Was als mittelalterliches Narrenrecht begann – das schonungslose Anprangern menschlicher Schwächen und Torheiten – hat sich bis heute erhalten. Im Stockacher Narrengericht wurden einst alle närrischen Streiche des Jahres gesammelt und ohne Rücksicht auf Stand und Person öffentlich verhandelt. Die Betroffenen wurden dem Spott der Umstehenden preisgegeben, was nicht immer zur Freude der Obrigkeit geschah.
Die Verbindung zur Einsiedler Fasnacht
Diese Geschichte zeigt eindrücklich, wie eng die Fasnachtstraditionen Europas miteinander verwoben sind. Der Überfall auf das Kloster Einsiedeln löste eine Kette von Ereignissen aus, die zur Entstehung eines der ältesten Narrengerichte führte.
«Bodenerdenlustig – die Einsiedler und ihre Fasnacht» beleuchtet diese und weitere faszinierende Geschichten rund um eine der lebendigsten Fasnachtstraditionen der Schweiz. Ein Dokumentarfilm der einen Blick hinter die Masken wirft.»

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