{"id":596,"date":"2026-09-16T14:16:01","date_gmt":"2026-09-16T14:16:01","guid":{"rendered":"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/?p=596"},"modified":"2026-10-06T18:23:15","modified_gmt":"2026-10-06T18:23:15","slug":"596","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/?p=596","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1250aeed wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"667\" src=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Sonnentau.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-597\" srcset=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Sonnentau.jpg 1000w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Sonnentau-300x200.jpg 300w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Sonnentau-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Sonnentau &#8211; ros solis<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"474\" height=\"266\" src=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/ReislaI\u0088ufer.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-598\" srcset=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/ReislaI\u0088ufer.jpg 474w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/ReislaI\u0088ufer-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Reisl\u00e4ufer<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"500\" height=\"500\" src=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rosoli-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-601\" srcset=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rosoli-1.jpg 500w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rosoli-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Rosoli-1-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Rosoli<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"659\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1-659x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-603\" srcset=\"https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1-659x1024.jpeg 659w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1-193x300.jpeg 193w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1-768x1194.jpeg 768w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1-988x1536.jpeg 988w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1-1318x2048.jpeg 1318w, https:\/\/bodenerdenlustig.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/M.-Gyr-Brotauswerfen-Johee-und-Mummerie-1.jpeg 1644w\" sizes=\"auto, (max-width: 659px) 100vw, 659px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Johle &amp; Mummerie um 1930<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Was Mummerien und Joheen \u00fcber die Alpen brachten: Die Geschichte des Rosoli<\/h1>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer an der Einsiedler Fasnacht durch die kalten Gassen zieht, kennt das: Irgendwo taucht eine Glasflasche auf, jemand schenkt ein, und pl\u00f6tzlich wird es innen warm. Dunkelrot, s\u00fcss, s\u00e4mig, mit einem Hauch von Kirschen und Zimt. Rosoli geh\u00f6rt zur Fasnacht wie die Larve zum Gesicht. Ur-einsiedlerisch, m\u00f6chte man meinen. Doch dieser Lik\u00f6r hat eine Vergangenheit, die weit \u00fcber den Sihlsee hinausreicht. Sie f\u00fchrt in ein Moor, zu den Alchemisten, an italienische F\u00fcrstenh\u00f6fe und \u00fcber die Alpenp\u00e4sse zur\u00fcck ins Klosterdorf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Name mit Biss<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosoli kommt nicht von der Rose, auch wenn die Farbe das vermuten l\u00e4sst. Der Name stammt vom lateinischen \u00abros solis\u00bb, Tau der Sonne. So nannte man fr\u00fcher den Rundbl\u00e4ttrigen Sonnentau, ein unscheinbares Pfl\u00e4nzchen aus dem Moor, wie es auch in den Hochmooren rund um Einsiedeln w\u00e4chst. Harmlos ist es allerdings nicht: Der Sonnentau ist fleischfressend. Seine Bl\u00e4tter tragen rote H\u00e4rchen mit klebrigen Tr\u00f6pfchen, die in der Sonne glitzern wie Morgentau. Setzt sich eine M\u00fccke darauf, bleibt sie kleben, und die Pflanze verdaut sie in aller Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gelehrten des Mittelalters waren hingerissen. Tautropfen, die selbst in der prallen Sonne nicht verdunsten? Da musste etwas Magisches dahinterstecken. Alchemisten versuchten im 13. Jahrhundert, daraus Gold oder gleich ein Lebenselixier zu gewinnen. Das mit dem Gold klappte bekanntlich nicht. Daf\u00fcr landete der Sonnentau in der Apotheke, als Mittel gegen Husten und Lungenleiden. Ganz besonders angetan war ein Einsiedler: Paracelsus, 1493 bei der Teufelsbr\u00fccke geboren und wohl der ber\u00fchmteste Sohn des Klosterdorfs. Er schw\u00e4rmte, die \u00abRosa solis\u00bb \u00fcberstrahle alle anderen Kr\u00e4uter so wie die Sonne die Planeten. Ein grosses Lob aus berufenem Mund. Und ganz unrecht hatte er nicht: In Hustenmitteln steckt Sonnentau noch heute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vom Hustensaft zum Willkommenstrunk<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Italien wurde aus der Arznei ein Genuss. Der Arzt Michele Savonarola aus Padua soll um 1425 sein \u00abLebenswasser\u00bb mit Honig, Rosen und Gew\u00fcrzen verfeinert haben, damit es seinen vornehmen Patienten besser mundete. Kl\u00f6ster und F\u00fcrstenh\u00f6fe, allen voran jener der Medici in Florenz, machten den \u00abRosolio\u00bb zum feinen Trunk f\u00fcr hohe G\u00e4ste. Mit der Zeit hiess in Italien so ziemlich jeder s\u00fcsse Hauslik\u00f6r Rosolio: mit Zitronen, Bergamotten, Rosenbl\u00e4ttern oder Fenchel, je nachdem, was gerade im Garten wuchs. Der Sonnentau selbst war da meist l\u00e4ngst nicht mehr drin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mitbringsel aus dem S\u00fcden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie aber kam das Getr\u00e4nk in die Innerschweiz? Mit zwei Sorten von Reisenden. Die einen waren die Reisl\u00e4ufer. Weil die kargen B\u00f6den nicht alle M\u00e4uler stopfen konnten, zogen \u00fcber Jahrhunderte unz\u00e4hlige Innerschweizer als S\u00f6ldner in fremde Dienste, besonders in die Mail\u00e4nderkriege. Wer heimkehrte, brachte neben Sold und Narben auch neue Gewohnheiten mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die andere Gruppe waren die Viehh\u00e4ndler, in Einsiedeln Welschlandfahrer genannt. Weil das Heu nicht f\u00fcr den ganzen Winter reichte, trieben sie im Herbst das Vieh \u00fcber die P\u00e4sse auf die M\u00e4rkte in der Lombardei. Auf dem Heimweg packten sie ein, was es zu Hause nicht gab: Salz, Wein, Gew\u00fcrze. Und offenbar auch die Idee eines s\u00fcssen, w\u00e4rmenden Lik\u00f6rs. Wer diesen weitgereisten H\u00e4ndlern heute noch begegnen will, muss nur an die Einsiedler Fasnacht: Die Mummerien und Joheen erinnern an die Welschlandfahrer. Aus dem Rosolio wurde so der Rosoli, in der March und den H\u00f6fen der Rosouli.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kirschen statt Moorkraut<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daheim wurde das Rezept kurzerhand angepasst. Sonnentau war rar und brachte geschmacklich wenig. Also nahm man, was vor der Haust\u00fcr wuchs: Kirschen. Dazu kr\u00e4ftigen Obstbrand, Zucker und Gew\u00fcrze wie Zimt, Nelken und Sternanis, mancherorts auch Magentr\u00e4s, die r\u00f6tliche Gew\u00fcrzzuckermischung aus dem Glarnerland. Gebrannt wird dabei nichts. Fr\u00fcchte und Gew\u00fcrze ziehen einfach wochen- oder monatelang im Schnaps. Danach wird ges\u00fcsst, gefiltert und abgef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein offizielles Rezept gab es nie. Es waren vor allem die B\u00e4uerinnen, die nach der Kirschenernte ansetzten und ihr Geheimnis von der Mutter an die Tochter weitergaben. Bis heute gilt: so viele Haushalte, so viele Rosoli. Und jede Familie ist felsenfest \u00fcberzeugt, dass ihrer der beste ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Einsiedeln h\u00e4lt ihn am Leben<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Rosoli anderswo langsam in Vergessenheit geriet, blieb er in Einsiedeln quicklebendig. Zu verdanken ist das der Familie Hensler zum Tell. Nach ihrem \u00fcberlieferten Rezept wird seit 1848 der Ur-Rosoli hergestellt, mit Kernobstbrand, ged\u00f6rrten Kirschen, Sternanis und Zimt. Heute steht er in B\u00e4ckereien, L\u00e4den und im Klosterladen. Getrunken wird er pur, als Schuss im Kaffee oder grossz\u00fcgig \u00fcber eine Kugel Vanilleglace.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Und an der Fasnacht?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da ist er schlicht unverzichtbar. Wenn ab Dreik\u00f6nig die Trychler durch die Gassen ziehen, w\u00e4rmt ein Schluck aus der Glasflasche H\u00e4nde, Herz und Stimmung. Dabei ist Rosoli mehr als ein Schnaps. Er ist eine Geste. Wer einschenkt, sagt: Du geh\u00f6rst dazu. In der March galt fr\u00fcher sogar die ungeschriebene Regel, dass Rosouli nur in der Fasnachtszeit getrunken und niemals verkauft, sondern ausschliesslich verschenkt wurde. In Lachen wird er an der Narrenmesse heute noch kirchlich gesegnet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Prost, Renaissance!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Rosoli hat also eine beachtliche Reise hinter sich: vom Moor zu den Alchemisten, von Padua an die F\u00fcrstenh\u00f6fe, \u00fcber die Alpen in die Bauernstuben und schliesslich in die Glasflasche der Fasn\u00e4chtler. Ein bisschen Italien, ein bisschen Mittelalter und ganz viel Einsiedeln. Wer also an der n\u00e4chsten Fasnacht ein Gl\u00e4schen angeboten bekommt, darf sich ruhig ein wenig wie ein Renaissancef\u00fcrst f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wie tief die Fasnacht in Einsiedeln verwurzelt ist, zeigt der Film&nbsp;<\/em><strong><em>\u00abBodenerdenlustig \u2013 die Einsiedler und ihre Fasnacht\u00bb<\/em><\/strong><em>, ab 11. November 2026 im Cineboxx Einsiedeln.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Patrimoine culinaire suisse: Rosoli&nbsp;&nbsp;patrimoineculinaire.ch\/Produkt\/Rosoli\/327<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Patrimoine culinaire suisse: Magentr\u00e4s, Trietolt&nbsp;&nbsp;patrimoineculinaire.ch\/Produit\/Magentras-Trietolt\/247<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ETH Z\u00fcrich, \u00c6ther: Paracelsus&#8216; Wundermittel. Die Rosa solis&nbsp;&nbsp;aether.ethz.ch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia: Rundbl\u00e4ttriger Sonnentau&nbsp;&nbsp;de.wikipedia.org\/wiki\/Rundbl\u00e4ttriger_Sonnentau<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia: Rosolio&nbsp;&nbsp;en.wikipedia.org\/wiki\/Rosolio<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Historischer Verein des Kantons Schwyz: S\u00f6ldner- und Pensionenwesen&nbsp;&nbsp;hvschwyz.ch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Region Einsiedeln: Rosoli, der traditionelle Lik\u00f6r&nbsp;&nbsp;eyz.swiss<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kloster Einsiedeln, Online-Shop: Ur-Rosoli&nbsp;&nbsp;shop.kloster-einsiedeln.ch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rosouli.ch&nbsp;&nbsp;rosouli.ch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Narrhalla Lachen: Publikationen&nbsp;&nbsp;narrhalla.ch<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Projektrecherche \u00abBodenerdenlustig\u00bb zur Einsiedler Fasnacht und den Welschlandfahrten<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was Mummerien und Joheen \u00fcber die Alpen brachten: Die Geschichte des Rosoli Wer an der Einsiedler Fasnacht durch die kalten Gassen zieht, kennt das: Irgendwo taucht eine Glasflasche auf, jemand schenkt ein, und pl\u00f6tzlich wird es innen warm. 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